Das geschlechtsspezifische LohngefĂ€lle, die Gender Pay Gap, spiegelt seinerseits MachtverhĂ€ltnisse. Nicht nur, weil Frauen per se in Positionen unterhalb von Chefetagen weniger verdienen. Sondern auch, weil die Höhe von Einkommen verhandelt wird â und damit auch eine Machtfrage ist. Und weil die EinkĂŒnfte in sogenannten Frauenberufen wie der Pflege oder der Erwachsenenbildung niedriger angesetzt sind als die fĂŒr TĂ€tigkeiten von Ingenieurinnen, IT-Spezialistinnen und anderen, macht sich auch in dieser strukturellen Hinsicht ein MachtverhĂ€ltnis bemerkbar.Â
Â
Der EIGE Gender Equality Index bietet eine Ăbersicht ĂŒber die Situation in den einzelnen LĂ€ndern der EU. Unterschieden wird in finanzielle Ressourcen (Median-JahreseinkĂŒnfte, Gender Pension Gap/geschlechterspezifische RentenlĂŒcke) und ökonomische Situation (relative EinkĂŒnfte bei Paaren, ArmutsgefĂ€hrdung trotz Erwerbsarbeit).Â

Die Autorinnen der Studie halten allerdings fest, dass die statistische Erfassung mit Schwierigkeiten behaftet ist. Mit Bezug auf die Messung der ArmutsgefĂ€hrdung trotz Erwerbsarbeit zeigt die Analyse der Ein-Personen-Haushalte, dass in der EU davon 16% der erwerbstĂ€tigen Frauen und 13 % der erwerbstĂ€tigen MĂ€nner ĂŒber ein unzureichendes Haushaltseinkommen verfĂŒgen, um ihre GrundbedĂŒrfnisse zu decken. Die Analyse von Mehrpersonenhaushalten unterstellt, dass das Einkommen zwischen Mann und Frau des Haushalts zu gleichen Teilen verteilt ist. Doch der gleiche Zugang zu Einkommen, Vermögen und Entscheidungsmacht in Haushalten ist nicht automatisch gegeben. Die Macht des ökonomischen Unterschieds manifestiert sich noch allzu oft auch in der Familie â und ist auch deshalb schwer zu bestimmen.[1] Â
Â
Mangelnde Geschlechtergleichheit ist teuer. Die EuropĂ€ische Stiftung fĂŒr die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Europa (Eurofond, eine Agentur der EuropĂ€ischen Union) ermittelte, dass das geschlechtsspezifische BeschĂ€ftigungsgefĂ€lle â also die unterschiedlichen Raten der Erwerbsarbeit bei MĂ€nnern und Frauen – â⊠unter BerĂŒcksichtigung entgangener EinkĂŒnfte und fehlender SozialbeitrĂ€ge des Einzelnen an die Gesellschaft sowie der Kosten fĂŒr die öffentlichen Finanzen â im Jahr 2023 auf ĂŒber 390 Milliarden Euro beliefen, was 2,3 % des BIP der EU entsprichtâ. [2] Â
Â
Das geschlechtsspezifische LohngefĂ€lle in den LĂ€ndern der EuropĂ€ischen Union unterscheidet sich deutlich. Es betrĂ€gt im Durchschnitt 11.1% der Bruttostundenverdienste von Frauen im Vergleich zu MĂ€nnern im Jahr 2024. FĂŒr Luxemburg ist ein negativer Wert verzeichnet. Dies bedeutet, dass Frauen in dem Land im Durchschnitt mehr verdienen als MĂ€nner.Â

Das LohngefĂ€lle zwischen Frauen und MĂ€nnern ist bis heute betrĂ€chtlich. Dabei sind Unterschiede zwischen den einzelnen EU-LĂ€ndern auffĂ€llig. Das Thema ist in Politik und Ăffentlichkeit angekommen. Und doch lauern Fallstricke.
Â
Quellenangaben
[1]EIGE Gender Equality Index, https://eige.europa.eu/publications-resources/publications/gender-equality-index-2025-sharper-data-changing-world, p. 57
[2]Eurofound, press release of March 4, 2025, 09:00, https://www.mynewsdesk.com/eurofound/pressreleases/mind-the-gap-gender-employment-gap-cost-europe-over-390-euros-billion-in-2023-3373047