Was hindert Frauen, Leitungspositionen anzustreben? Verschiedene Faktoren wirken zusammen: 

Äußere Faktoren können sein:

  • „Gläserne Decke“ – geschlechtsspezifische Diskriminierung,
  • Frauen werden als Konkurrenz wahrgenommen,
  • Männernetzwerke zur Rekrutierung und Stabilisierung männlicher Privilegien,
  • Stereotype und Vorurteile. 

Innere Faktoren können sein:

  • Mangel an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein von Frauen, 
  • internalisierte und gegen sich selbst gewendete Stereotype, Vorurteile und weibliche Rollenbilder,
  • strukturelle Diskriminierung in Familien, 
  • fehlende eigene Netzwerke,
  • Angst, sich zu individuieren und zu exponieren,
  • negative Sicht auf Macht,
  • Scheu, für eigene Interessen zu kämpfen, 
  • referentielle, von der Sorgeperspektive getragene Denkweise,
  • Interesse an einer Balance zwischen Arbeit und Familie, weniger aber an einer Karriere.

Frauen sind gelegentlich überrascht, wenn Männer mit einer gewissen Chuzpe auftreten. Mitunter vermissen sie eine Ausgewogenheit von Selbstdarstellung und ihrer inhaltlichen Unterfütterung. Sie müssen es ihnen nicht gleichtun. Doch sie können die Qualitäten und Qualifikationen, die sie haben, für sich selbst anerkennen und sie ins Bewusstsein anderer rufen. Ein ‚echter‘, gesunder positiver Blick auf sich selbst strahlt aus und weckt Vertrauen – auch in die Fähigkeit zu leiten. 

Die Einsamkeit der Ausgrenzung können Frauen überwinden, in dem sie sich mit anderen zusammenschließen. Es kann bereichernd sein, wenn dies Menschen sind, mit denen eine Übereinstimmung besteht UND wenn Menschen unterschiedlicher Auffassungen und Lebensstile zusammenkommen. Möglichst offen und frei miteinander über Fragen und Freuden, Ängste, Zweifel, psychologische Fallstricke und Probleme zu sprechen, ist meist befreiend und öffnet für den nächsten Schritt. 

In westlichen Gesellschaften ist die Erfahrung von Gruppe selten geworden. Der Bezug ist die Kleinfamilie, gegebenenfalls ein Verein, die Erwerbsarbeit oder die Wohnung, wenn man keine Arbeit hat. Netzwerke und Unterstützungsgruppen können hingegen Laboratorien sein um sich auszutauschen, Ideen zu entwickeln, Neues zu probieren, Frustrationstoleranz zu lernen, zu erleben, dass man selbst etwas zu sagen hat, anderen zuzuhören – und Fähigkeiten zu entwickeln, die auch für Leitungsaufgaben qualifizieren. Denn zu leiten setzt voraus, dass mehrere Menschen zusammenwirken. 

Wahrscheinlich sind auch in solchen Gruppen Machtverhältnisse wirksam. Durch das Handeln der Einzelnen und durch die Bedingungen, die sie möglich machen – oder nicht. Es ist an den Beteiligten selbst, sich die Macht zu nehmen, Macht konstruktiv zu gestalten – im Kleinen, das immer auch ein bisschen „das Große“ ist. Wie der Rüssel des Elefanten. Dies ist ein Lernprozess. Doch wie heißt es so schön? „Ich bin fast fertig. Ich muss nur noch anfangen.“